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(03876) 781 422
 

Landesgefördertes Volontariatsprojekt 2019-2021

"Kriegsende 1945 im Frontgrenzgebiet Elbe – Wittenberge/Perleberg"

 

•	Passierschein eines Kleinbahnschaffners mit zweisprachiger Beschriftung, aus Privatbesitz.

 

 

 

Projektbeschreibung

 

Des Krieges Buchstaben

 

Kummer, der das Mark verzehrte,

Raub, der Hab und Gut verheeret,

Jammer, der den Sinn verkehret,

Elend, das den Leib beschweret,

Grausamkeit die Unrecht lehret.

 

Sind die Frucht, die Krieg gewähret. 

Friedrich von Logau 1604-1655

 

Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg, der erste europäische Krieg, der hunderttausendfaches Leid, Tod und Vernichtung brachte. Vor 80 Jahren begann der von Hitlerdeutschland entfesselte Zweite Weltkrieg. Er stellt bis heute den größten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Direkt bzw. indirekt waren über 60 Staaten am Krieg beteiligt. Zwischen 60 und 70 Millionen Tote sind zu beklagen. Flächenbombardements rissen tiefe Wunden. Dem Holocaust fielen 6 Millionen europäische Juden zum Opfer. Atomwaffen wurden gezündet.

 

Vor bald 74 Jahren, im Frühjahr 1945, kam dieser Krieg in die Prignitz. Er endete am 2. Mai 1945 in Perleberg mit der Einnahme durch die sowjetische 5. Garde-Kavallerie-Division, einen Tag später auch in Wittenberge. In den frühen Morgenstunden des 3. Mai 1945 nahmen Schlossermeister Paul Wiegand, der selbsternannte Vertreter des Wittenberger Oberbürgermeisters, und Dr. Heinz Imig, Chef des Schlachthofes, die Übergabebedingungen für die Stadt Wittenberge von der sowjetischen 32. Smolensker Kavallerie-Division entgegen. Bereits am 12. April erreichten die 84. US-Infanterie-Division und die 5. US-Panzerdivision von Westen her die Elbe. Gegen 18.30 Uhr wurde auf Befehl des „Festungskommandanten“ Major Rauterberg die Elbebrücke gesprengt.

 

Die Militär- und Zivilgeschichte jener April- und Mai-Tage 1945 im Frontgrenzgebiet Elbe zwischen Amerikanern jenseits der Elbe und Russen diesseits der Elbe ist nur leidlich erforscht und aufgearbeitet. So können z.B. Gerüchte über eine gemeinsame Siegesparade der Amerikaner und Russen in Wittenberge bis heute nicht verifiziert werden. Bewegende sind Schicksale wie die des Seehausener Arztes Dr. Albert Steinert (1886-1945), heute Namenspatron des dortigen Krankenhauses und Ehrenbürger der Hansestadt, der als Parlamentär in Wittenberge wegen Landesverrat zum Tode verurteilt und am 14. April 1945 auf dem Gelände der Singer-Werke hingerichtet wurde. Mit ihm wurden neun weitere Männer und ein polnisches Mädchen standrechtlich erschossen. Darunter der erste 17jährige Bruno Makosch. Über sie ist bis dato nichts bekannt.

 

In Perleberg, auf dem Gelände des ehemaligen Gutes Tonkital, entstand 1935 einer von 65 Fliegerhorsten im Dritten Reich mit Flugzeugführerschule der gerade erst neben Heer und Marine aufgebauten Luftwaffe der Wehrmacht. Große Hallen und Kasernenbauten entstanden. Neben der Flugzeugreparatur und dem Einfliegen fabrikneuer Maschinen wurden bei Kriegsende auch Kampfeinsätze von Perleberg aus geflogen. Heute nutzt der AERO-Club Perleberg nur noch einen Hangar und das Flugfeld. Der größte Teil des Geländes liegt brach und aufgrund fehlender Konzepte verfallen die noch vorhandenen Gebäude zusehends.

 

Die letzten Zeitzeugen, die das Ende des Zweiten Weltkrieges in Perleberg und Wittenberge noch erlebt haben, sind 90 Jahre und älter. Sie werden in den nächsten Jahren versterben. Damit geht ein herausragender Quellenschatz für nachfolgende Generationen unwiederbringlich verloren. Die meisten haben nur ungern über ihre Erlebnisse gesprochen. Die Enkel- und Urenkel-Generation muss sich mehr und mehr mit alten Fotos und Briefen behelfen.

 

Diese Quellen gilt es, zu sichten und in den Museen Wittenberge und Perleberg für die Nachwelt zu sichern und aufzuarbeiten. Hierfür ist das Landesgeförderte Museumsvolontariat angedacht. Der Volontär soll im Rahmen seiner Tätigkeit zwischen 2019 und 2021 relevante Quellen und Objekte in den beteiligten Museen wie auch in den Stadtarchiven Wittenberge und Perleberg sichten und aufarbeiten. Darüber hinaus soll er noch nicht in den Museen tradierte private Zeitzeugendokumentationen wie Tagebücher, Briefe, Bildbände, etc. erfassen und Zeitzeugenbefragungen und –dokumentationen vornehmen. Dabei sollen die deutschen Quellen um sowjetrussische und US-amerikanische Quellen ergänzt und der Fragestellung nachgegangen werden, wie die Bevölkerung in den Kleinstädten Wittenberge und Perleberg den extremen Wandel vom angeblichen Herrenmenschen zum Verlierer des Krieges verkraftete, wie das Alltagsleben im Frontverlauf der letzten Kriegstage und in der Stunde Null funktionierte.

 

 

Foto: Stadt Perleberg/Stadt- und Regionalmuseum Perleberg

 

 

Foto: Stadt Wittenberge/Stadtmuseum "Alte Burg" Wittenberge

 

 

Kontakt

 

L. Gütschow, M.A.

Museumsvolontär Wittenberge/Perleberg

 

Kontakt Stadt- und Regionalmuseum Perleberg:

E-Mail:

Tel.: (03876) 781 422

 

Kontakt Stadtmuseum "Alte Burg" Wittenberge:

E-Mail:

Tel.: (03877) 405 266

 

 

Video "Zeitzeugenberichte gesucht"

 

Video: Stadt Perleberg

 

Kurzvita Museumsvolontär

 

L. Gütschow (*1981) studierte nach dem Abitur Geschichte, Politische Wissenschaften, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Britische Literatur an der Universität Hamburg. Nach seinem Magisterabschluss 2010 absolvierte er eine Weiterbildung im Museumswesen und war in der Folge in mehreren niedersächsischen Museen als Sammlungsreferent, Projektmitarbeiter und Ausstellungskurator tätig. Seit Februar 2020 ist er Wissenschaftlicher Volontär im Kooperationsprojekt „Kriegsende 1945 im Frontgrenzgebiet Elbe – Wittenberge/Perleberg“ der beiden genannten Städte.

v.l.n.r. Museumsleiterin Wittenberge B. Stövesandt und Museumsvolontär L. Gütschow / Foto: Stadt Perleberg

Video "Über das Projekt"

 

Video: Stadt Perleberg

 

Ausschnitt Publikation "Prignitzer Heimat", Nr 67

„Kriegsende 1945 im Frontgrenzgebiet Elbe – Wittenberge-Perleberg“. Ein Forschungsprojekt.

 

Mittlerweile ist es ein Dreivierteljahrhundert her, dass der Krieg in die Prignitz kam. Nachdem die Wehrmacht in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges schrittweise den Großteil Europas unter die Herrschaft des NS-Regimes gebracht hatte, wich sie danach unter dem Druck der Alliierten immer weiter zurück [...].

 

Die Städte Wittenberge und Perleberg haben zur Erforschung und Dokumentation der Ereignisse in beiden Städten 1945 ein Volontariat ausgeschrieben, um die verfügbaren Quellen zu dieser Zeit zu sichten und für zukünftige Forschungen zu sichern. Der Verfasser ist seit Februar als Projektvolontär zunächst im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg tätig und wird anschließend ins Stadtmuseum Wittenberge wechseln, um dort seine Arbeit weiterzuführen. Geplant ist, die Projektergebnisse nach Abschluss durch Sonderausstellungen in beiden Museen und an weiteren Orten, durch Berichte und Vorträge sowie durch museumspädagogische Angebote zu präsentieren. Dabei sind nicht nur Akten und Bildmaterial der Verwaltungen interessant, sondern auch bisher ungenutzte Quellen wie private Tagebücher, Fotos und historische Gegenstände sowie mündliche Informationen durch Zeitzeugen oder deren Nachfahren. In diesem Zusammenhang bittet der Verfasser um Mithilfe der Leser: wer entsprechende Informationen zum Projekterfolg beitragen kann, Zeitzeugen und Geschichten kennt oder interessante Objekte aus der Zeit des Kriegsendes und den folgenden Monaten besitzt, möge sich gerne melden.

 

Als Beispiel für die Projektarbeit sei hier ein Foto von der gemeinsamen Siegesparade der Sowjets und Amerikaner am 9. Mai 1945 in Wittenberge gezeigt. In der Mitte steht Generalmajor Alexander R. Bolling, Befehlshaber der 84. US-Division, rechts im Bild ist der sowjetische Generalmajor Iwan P. Kaljushny, der am 3. Mai mit seiner 32. Kavalleriedivision Wittenberge eingenommen hatte. Das Foto stammt aus dem Archiv des Stadtmuseums Wittenberge (StMWb 4634 Z 04425).

 

Autor: L. Gütschow, M.A.

Prignitzer Heimat Nr. 67
Siegesparade der Sowjets und Amerikaner am 9. Mai 1945 in Wittenberge/ Foto: Archiv des Stadtmuseum Wittenberge

Pressegespräch Juli 2020

 

Das Jahr 1945 steht wie kaum eine andere Jahreszahl für einen tiefgreifenden Umbruch innerhalb der deutschen und europäischen Geschichte. Die ersten vier Monate des Jahres ereignete sich der immer rascher voranschreitende militärische und gesellschaftliche Zusammenbruch des NS-Regimes, das Anfang Mai schließlich in der bedingungslosen Kapitulation vor den vier alliierten Mächten sein Ende fand. Die deutsche Bevölkerung sah sich mit der totalen Niederlage, der Zerstörung großer Teile der Wohn- und Infrastruktur, der Verantwortung für die unvorstellbaren Verbrechen des Regimes sowie der ungewissen Zukunft unter der Herrschaft der vormaligen Kriegsgegner konfrontiert. Für letztere stellte sich währenddessen die gigantische Aufgabe, das in jeder Hinsicht am Boden liegende Land zu versorgen, zu verwalten und nach Möglichkeit vor den Fehlern seiner Vergangenheit zu bewahren, wobei über die konkreten Maßnahmen dazu sehr unterschiedliche Vorstellungen existierten. Als das Jahr 1945 zu Ende ging, blickten alle Beteiligten auf eine schwierige Zeit zurück, in der zwar viele Missstände erfolgreich bekämpft worden waren, andererseits auch neue Probleme geschaffen und Entscheidungen getroffen worden waren, die sich in den folgenden Jahren bis hin zum Konflikt der Machtblöcke im „Kalten Krieg“ auswachsen sollten.

 

In den beiden Städten Perleberg und Wittenberge war der Krieg Anfang 1945 fast allgegenwärtig. Perleberg besaß durch den Flugplatz und die Stadtkaserne eine starke militärische Prägung, während die Wittenberger Industrie bereits seit Kriegsbeginn Waffen und andere Rüstungsgüter fertigte, was die Stadt auch zum Ziel alliierter Luftangriffe machte. Der sowjetische Einmarsch wirkte traumatisch auf die Bürger beider Städte, von denen viele bis zuletzt an eine Kriegswende geglaubt hatten. Die Furcht vor der Rache der Sieger erwies sich in vielen Fällen als berechtigt, im Laufe der Zeit kam es jedoch zu einer Koexistenz zwischen beiden Seiten, um die enormen Herausforderungen auf allen Sektoren des öffentlichen Lebens bewältigen zu können.

 

Um die Ereignisse des Jahres 1945 in unserer Region zu erforschen und zu dokumentieren, haben die Städte Perleberg und Wittenberge mit Unterstützung des Landes Brandenburg im Herbst 2019 ein zweijähriges wissenschaftliches Volontariat ausgeschrieben, das im Februar 2020 mit dem Historiker L. Gütschow besetzt wurde. Herr Gütschow wird nach sechs Monaten Tätigkeit im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg zum 1. August ins Stadtmuseum Wittenberge wechseln, wo er seine Arbeit weiter fortsetzen wird.

Foto: Stadt Wittenberge/ v.l.n.r.: F. Riedel (Fachebreichsleitung Kultur, Sport und Tourismus Perleberg), B. Stövesandt (Museumsleitung Wittenberge), L. Gütschow (Volontär), A. Pöpplau (Museumsleitung Perleberg).

Zeitzeugenaufruf im Radio rbb-Studio Antenne Brandenburg Juli 2020

Im rbb-Studio / Foto: Stadt Perleberg
L. Gütschow im Aufnahmestudio  / Foto: Stadt Perleberg

Veranstaltungen

Kontakt

Stadt- und Regionalmuseum Perleberg

Mönchort 7 - 11 | 19348 Perleberg

Tel.: (03876) 781 422 | Empfang

Fax: (03876) 781 499

E-Mail:

 

Öffnungszeiten

Im Dezember 2020 aufgrund der Zweiten Eindämmungsverordnung vom 30.11.2020 geschlossen!

 

Dienstag-Freitag: 10.00 bis 16.00 Uhr

Sonntag: 11.00 bis 16.00 Uhr

... sowie nach Vereinbarung.

 

Eintrittspreise

3,50 € | ermäßigt 1,50 €

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